Bollywood

Fanaa

© Rapid Eye Movies

Drama
IND 2006, 168 min.
R/Dir: Kunal Kohli
B/C: Aamir Khan, Kajol, Kiron Kher, Rishi Kapoor
B/S: Shibani Bathija
K/DoP: Ravi K. Chandran
M/M: Salim Merchant, Jatin & Lalit


Als die blinde Zooni ihre Heimat Kaschmir verlässt und mit einigen Freundinnen nach Delhi reist, trifft sie den charmanten Reiseführer Rehan. Rehan ist ein Frauenheld, der Bedürfnisse vor Gefühle stellt und der Meinung ist, dass Frauen wie Städte sind: Wenn es einmal langweilig wird, zieht man(n) weiter zur nächsten. Doch als er die schöne Zooni trifft, ist es um ihn geschehen und er verliebt sich Hals über Kopf in sie. Durch ihre selbstbewusste Art weist sie ihn in seine Schranken und zähmt den umtriebigen Rehan. Trotzdem wehrt sich Rehan gegen seine Gefühle, er warnt Zooni sich von ihm fernzuhalten, da er eine Gefahr für sie darstelle und sie in die Tiefe reißen würde. Liebe heißt manchmal auch aus Liebe zu einem anderen Menschen zu verzichten und seine Gefühle hinten an zu stellen, egal wie schwer dies sein mag. Allerdings gelingt es Rehan nicht lange, sich an sein eigenes Prinzip zu halten und nach einer leidenschaftlichen Nacht mit Zooni beschließt er, sie zu heiraten. Doch dann verübt die kaschmirsche Unabhängigkeitsbewegung IKF einen Anschlag und die Zukunftspläne von Rehan und Zooni finden ein jähes Ende. 

Seit ‚Ishq’ (1997) standen Aamir Khan und Kajol nicht mehr gemeinsam vor der Kamera. Für Kajol ist dies auch die erste Hauptrolle nach ihrer 5jährigen Babypause und dementsprechend hoch waren die Erwartungen an ‚Fanaa’. Statt am Originalschauplatz Kaschmir wurden große Teile des Films in Polen gedreht und Kameramann Ravi K. Chandran (‚Black’) zeigt sein ganzes Können. Der Film war kommerziell einer der erfolgreichsten des Jahres 2006 und gewann mehrere Awards.

Der Film gliedert sich in zwei Teile, der erste erzählt die aufkommende Liebesgeschichte zwischen Rehan und Zooni, die zweite Hälfte wird eher politisch und actionlastig. Ergänzt wird das Cast durch Rishi Kapoor und Kiron Kher, die, wie Aamir Khan und Kajol, ohne Zweifel hervorragende Schauspieler sind und dies in ‚Fanaa’ einmal mehr unter Beweis stellen.

Die Geschichte von Zooni und Rehan ist keine typische Bollywood Erzählung, sondern geht weitaus tiefer als die manchmal oberflächlich und kitschig wirkenden Liebesgeschichten anderer Filme. Bereits bei ihrer ersten Begegnung springt der Funke (zumindest bei Rehan) über und der illustre Reiseführer versucht mit allen Mitteln die schöne Zooni zu verführen. Doch sie widersteht ihm und seinem Charme – zu Anfang zumindest. Rehan bemerkt bald, dass seine Gefühle tiefer gehen als sein üblicher Eroberungstrieb, was ihm große Angst macht. Diese Angst verspürt auch Zooni, denn ihre Freundinnen haben sie vor dem Aufreißer und Frauenheld Rehan gewarnt. Dennoch gelingt es beiden nicht, sich vor ihren Gefühlen für einander zu verstecken. Liebe beinhaltet schließlich auch immer ein Risiko auf das man sich zuerst einlassen muss, um den wahren Gehalt einer Beziehung zu erkennen. 

‚Fanaa’ beleuchtet die Liebe von einem Standpunkt jenseits der Rosa-Bollywood Welt. Es wäre ein leichtes für Rehan sich unsterblich in Zooni zu verlieben und sofort seine Überzeugungen über Bord werfen zu lassen, um mit ihr in ein neues Leben zu fliehen. Stattdessen versucht er erst, sie von ihm fern zu halten, was den weitaus größeren Liebesbeweis darstellt. Gefangen zwischen Glauben und Gefühlen versucht er einen Ausweg zu finden, der Zooni am wenigsten in Mitleidenschaft zieht. Auch im weiteren Verlauf der Geschichte versucht Rehan stets den Weg zu gehen, der Zooni und seine Familie schützt, was ihn auf eine extreme Zerreißprobe stellt. ‚Fanaa’ ist eine Liebesgeschichte, in der Verzicht und Schmerz, nicht Glück und ewige Liebe, die wichtigsten Einflussfaktoren sind. Liebe kann nicht immer Berge versetzen und hat auch nicht immer ein Happy End parat. 

Natürlich kann man ‚Fanaa’ (vollkommen gerechtfertigt) logische Defizite in der Handlung vorwerfen. Die große Schwäche des Films ist das Drehbuch. Die Charaktere könnten feiner ausgestaltet sein, so wird die Motivation des Freiheitskämpfers Rehan nicht thematisiert. Auch die Tatsache, dass Zooni ihren geliebten Rehan nicht an seiner Stimme wieder erkennt, ist schwer zu glauben, auch wenn sieben Jahre vergangen sein mögen. Trotzdem ist ‚Fanaa’ anders als andere Bollywood Liebesdramen. Statt der üblichen linearen Story versucht der Film die Liebesgeschichte der Protagonisten in ein anderes Setting zu integrieren und sich nicht der üblichen Klischees zu bedienen. Der Film bietet in drei Stunden Spannung, Emotionen, tolle Darsteller und eine gelungene Kameraführung, was ‚Fanna’ zu einem sehr sehenswerten, wenn auch nicht perfekten Filmerlebnis macht. ‚Fanaa’ ist vor allem eins: mutig. Allein dafür gebührt dem Film großen Respekt.

© Rapid Eye Movies

Newsletter

Unser Newsletter hält Sie über Festivals, Filme und Neues vom Filmbüro Baden-Württemberg auf dem Laufenden.
Name:* 
E-Mail:* 

Hinweis:


Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.