Bollywood

Omkara

Drama
IND 2006, 152 min.
R/Dir: Vishal Bharadwaj
B/C: Ajay Devgan, Saif Ali Khan, Vivek Oberoi, Kareena Kapoor, Konkona Sen Sharma, Bipasha Basu, Naseeruddin Shah, Deepak Dobriyal
B/S: Vishal Bharadwaj, Robin Bhatt, Abhishek Chaubey
K/DoP: Tussaduq Hussain
M/M: Vishal Bharadwaj

William Shakespeares Othello, der Mohr von Venedig, made in Bollywood: Vishal Bharadwaj verlagert seine Adaption ins heutige Uttar Pradesh, wo die alte Geschichte um menschliche Schwächen ihren Lauf nimmt. Zum Kinostart schraubte die PR die Erwartungen des Publikums sehr hoch. Das Spiel um Lügen, Intrigen, Verrat und Eifersucht begeisterte die Zuschauer. Doch die Kritik legte die Meßlatte einiges höher an. Bharadwaj erntete schon mit seiner Macbeth-Version ‚Maqbool’ erste Lorbeeren. Bis auf wenige kleine Schwächen lobten die Kritiker auch seinen Othello/Omkara überschwänglich.

Im Original verkörpert Othello einen edlen Feldherrn in der Armee der Republik Venedig. Heimlich heiratet dieser „Mohr von Venedig“, eigentlich ein Maure, Desdemona: Nicht mal ihr Vater weiß davon. Fähnrich Jago hofft, von Othello zum Leutnant befördert zu werden. Doch dessen Wahl fällt auf Cassio. Der enttäuschte Jago tritt nun ein Intrigenspiel los, das zu den Klassikern unter den Tragödien zählt. Jago vergiftet Othellos Gedanken mit der Lüge, Desdemona betrüge ihn mit Cassio. Als die Wahrheit ans Licht kommt und Othello seinen Irrtum begreift, ersticht er sich. Cassio tritt Othellos Nachfolge an. Mauren verkörperten zu Shakespeares Zeit meist die Bösewichte. So setzte Shakespeare mit seinem aufrichtigen Othello bewusst einen Kontrast. Der Außenseiter, der sonst mit Charakterstärke auftrumpft, zeigt menschliche Schwäche und geht dem Bösen auf den Leim.

Bharadwaj siedelt seinen Protagonisten im skrupellosen Outlaw-Millieu unserer Tage an. Sein Othello heißt Omkara (Ajay Devgan). Er ist nicht dunkelhäutig, sondern gehört einer niedrigen Kaste an. Er ist Boss einer Gang im Sold des Politikers Bhaisaab. Der besonnene Kesu (Vivek Oberoi) und der hitzköpfige Langda (Saif Ali Khan) machen sich Hoffnung auf eine Beförderung. Omkaras Entscheidung fällt auf Kesu. Langda beginnt einen Psychokrieg und bringt nun Omkaras große Liebe Dolly ins Spiel. Die Schöne habe eine Affäre mit dem vertrauten Aufsteiger Kesu. Die Eifersucht vernebelt Omkaras Sinne. Im Gegensatz zum reinen, guten Othello stammt Omkara aus dem Gangstermillieu. Der Leader Of The Gang kommt weniger naiv daher. Das nimmt der Titelrolle etwas an Tragik. Ein kleines Minus in diesem mitreißenden, clever inszenierten Bollywood-Streifen.

Die hindisprachige Adaption punktet mit großen Stars, glänzendem Spiel, gewaltiger Bildsprache. Lediglich einige Morde am Rande ziehen die Handlung unnötig in die Länge. Die in Bollywood obligatorischen Songs baut Bharadwaj nicht wie Musikclips als Fremdkörper ein. So entsteht ein sehr harmonischer Ablauf. Das gilt auch für die leichteren Szenen; sie verschmelzen mit der von Eifersucht zerfressenen Atmosphäre. Bharadwaj schrieb nicht nur das moderne Drehbuch, sondern führte auch Regie und komponierte die abwechslungsreiche Musik. Den romantischen Song ‚O Saathi Re’ singt der Meister persönlich. Vielleicht baut er für sich in seinem nächsten Shakespeare-Film noch eine kleine Nebenrolle ein, wie einst Alfred Hitchcock. Bharadwaj drehte auch ‚Chatri Chor’, basierend auf Ruskin Bonds ‚The Blue Umbrella’.

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