Bollywood

Rang de Basanti

© Rapid Eye Movies

Drama
IND 2006, 157 min.
R/Dir: Rakesh Omprakash Mehra
B/C: Aamir Khan, Siddharth, Sharman Joshi, Kunal Kapoor, Atul Kulkarni, Alice Pattern
B/S: Renzil D’Silva, Rakesh Omprakash Mehra, Kamlesh Pandey
K/DoP: Binod Pradhan
M/M: A. R. Rahman

Die junge Britin Sue reist nach Delhi, um einen Dokumentarfilm über den indischen Freiheitskämpfer Bhaghat Singh zu drehen. Bhaghat Singh erschoss 1928 einen britischen Offizier und wurde dafür 1931 hingerichtet. Er gilt als einer der Großen im Kampf um die indische Unabhängigkeit. Grundlage für den Film ist das Tagebuch ihres Großvaters aus den 1920ern, der zu Zeiten der britischen Kolonialherrschaft in Indien stationiert war und die Ereignisse am eigenen Leib miterlebte. Mit der Unterstützung ihrer Freundin Sonia glaubt sie mit dem charismatischen Studenten DJ und seinen Freunden schon bald die idealen Schauspieler gefunden zu haben. Allerdings muss sie schnell feststellen, dass die jungen Studenten nicht besonders empfänglich für die Geschichte des Freiheitskämpfers und sich viel lieber mit Musik, Partys und ihren Freunden beschäftigen. Sie sind ganz Söhne des modernen Indiens – bis ein tragischer Unfall sie aus ihrer politischen Gleichgültigkeit erwachen lässt.

Rakesh Omprakash Mehras ‚Rang de Basanti’ war Indiens Oscarbeitrag zu den 79. Academy Awards im Jahr 2007 und erhielt damit Vorzug vor Filmen wie ‚Kabhi Alvida Naa Kehna’, ‚Lage Raho Munna Bhai’ oder ‚Omkara’. Den Oscar erhielt er nicht, dafür aber den Filmfare Award für den besten Regisseur.

Der erste Teil von ‚Rang de Basanti’ zeichnet ein Bild von Indiens moderner Jugend: An der Schwelle zum Erwachsenwerden werden sie zunehmend mit den Erwartungen des Lebens konfrontiert und scheinen noch nicht so recht zu wissen, wie sie damit umgehen sollen. Mit Themen wie Politik, Verantwortung und Veränderung beschäftigen sie sich nicht, viel wichtiger ist es für sie die vielleicht letzten unbeschwerten Tage mit ihren Freunden voll auszukosten und Spaß auf Partys zu haben. Eigentlich sind diese jungen Inder nicht sonderlich verschieden von so vielen jungen Generationen auf der ganzen Welt, auf der Suche nach sich und ihrem Platz in der Welt.

Immer wieder wird in Form von Flashbacks die Verbindung zu Baghat Singh und seinen Gefolgsleuten gesucht, trotzdem unterscheiden sich die beiden Gruppen deutlich: DJ und seine Freunde führen ein unbeschwertes Leben während Baghat Singh unter der Britischen Besatzung für seine Freiheit kämpft. Patriotismus ist für DJ und seine Freunde fremd und sie können sich nicht mit den Figuren von damals identifizieren. Bis zu dem Tag, an dem ein Unfall alles verändert. Von diesem Punkt an beginnen die jungen Studenten aus ihrer politischen Lethargie zu erwachen und spüren eine vollkommen neue, geradezu kämpferische Leidenschaft. Fortan verschmelzen die Figuren aus der Zeit von Bhaghat Singh und die Studenten von heute immer mehr.

Das gesamte Cast ist sehr gut gewählt und von Beginn an ziehen sie den Zuschauer mit ihrer charmanten Art in den Bann. Der charismatische Aarmir Khan bringt eine Glanzleistung, egal ob er gerade sein Studentenleben in vollen Zügen auslebt oder in ernsten Momenten in den Armen von Sue zusammenbricht. Leider fällt es manchmal ein wenig auf, dass er keine 25 mehr ist, wie es die Rolle verlangt. Auch die anderen Darsteller wie Siddharth oder Kunal Kapoor sind wunderbar erfrischend und auch die junge Soha Ali Khan Pataudi überzeugt als kämpferische Sonia.

Die Kameraführung ist sehr beeindruckend, großartige Aufnahmen vom Gate of India oder der Landschaft um Delhi zeigen Indien von seiner schönsten Seite. Auch so manche Symbolik wurde eingearbeitet: Die dominierende Farbe des Films ist gelb, da diese Farbe in Indien Opfer bzw. Opferbereitschaft symbolisiert.

‚Rang de Basanti’ reißt ernste Themen an: Wo liegt die Grenze zwischen Terrorismus und Freiheitskampf und was sind überhaupt die richtigen Mittel, um sich gegen politische Missstände zu wehren? Befriedigende Antworten liefert der Film nicht, aber das muss er auch nicht. Mit seinen hervorragenden Darstellern und beeindruckenden Bildern erreicht der Film vor allem eins: Er regt zum Denken an.

© Rapid Eye Movies

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