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Vielvölkerstaat Indien

Datum: 24. Juli 2011

Zeit: 14.00 Uhr

Ort: Saal Cardiff (Millennium Hotel)

Was kann Europa von Indien lernen? Wenn es um das Nebeneinander vieler Sprachen und Völker geht, haben die Inder den Europäern einiges an Gelassenheit voraus. Im Tea Talk ‚Vielvölkerstaat Indien – Chancen und Probleme der Vielsprachigkeit Indiens’ stellen Dr. Albrecht Frenz und Susanne Faller vom Linden-Museum Stuttgart zu Beginn kurz die wichtigsten Alphabete und Sprachen in den verschiedenen Regionen Indiens vor. „Trotz der Sprachenvielfalt besteht in Indien ein Zusammengehörigkeitsbewusstsein, das mit dem Begriff ‚Indiannesse’ – Indischsein – ausgedrückt wird“, gibt Dr. Frenz zu bedenken. Dieses Indischsein ist seit Jahrtausenden gewachsen. Dabei spielen die Wandertheater, die von Dorf zu Dorf ziehen und vor allem Stücke aus den Epen Mahabharata und Ramayana aufführen, eine wichtige Rolle. Ähnliches gilt für lokale Theater- und Tanztraditionen, die sich ebenfalls an den indischen Epen orientieren. Zudem durchreisen Wanderheilige, Sadhus genannt, im Laufe ihres Lebens Indien von Norden nach Süden, von Westen nach Osten. Dabei kommen sie mit Menschen aller Schichten zusammen und geben ihre Gedanken weiter. Politische Ereignisse wie der Kargil-Krieg oder der Terrorakt in Mumbai stärkten in der jüngsten Vergangenheit das Wir-Bewusstsein über alle Sprach-, Kasten- und Religionsgrenzen hinweg. Obwohl die einzelnen Bundesstaaten ihre eigene Sprache pflegen – und damit auch Probleme aufwerfen –, wissen sich die Menschen der Einheit Indiens verpflichtet. Nicht selten sprechen Inderinnen und Inder mehrere der indische Regionalsprachen sowie Englisch und können auf diese Weise im ganzen Land, welches so groß wie Europa ist, miteinander kommunizieren. Für Susanne Faller ist vor allem Sanskrit untrennbar mit der indischen Kultur verbunden. „In poetischer Schönheit und wissenschaftlicher Exaktheit verfasst, bilden die Sanskrit-Texte in ganz Indien die Grundsäulen des Hinduismus, der Mythologie, Kunst und Wissenschaft. Hindi ist für Nordindien von großer Bedeutung und findet weltweite Verbreitung durch den indischen Film. Durch die Mannigfaltigkeit der Sprachen können die kulturellen Identitäten des vielfältigen, geografisch sehr unterschiedlichen Landes zum Ausdruck kommen“, weiß sie zu berichten. Allerdings können aufgrund der Vielzahl der Sprachen und Schriften bei nicht englisch sprechenden InderInnen Verständigungsprobleme auftreten. Außerdem führte die Grenzziehung nach Sprachregionen mancherorts zu Auseinandersetzungen.

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Referenten

Susanne Faller

Susanne Faller vom Linden-Museum studierte nach dem Abitur am Kreisgymnasium Hochschwarzwald in Titisee-Neustadt die Fächer Mineralogie und Romanistik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (ohne Abschluß) und schloß dort im Jahre 2004 ihr Studium der Ethnologie und Indologie mit Magister Artium ab. Im Anschluß erarbeitete sie im Adelhausermuseum Natur- und Völkerkunde in Freiburg die Konzeption für die Kabinettausstellung ‚Getreide und medizin’ und realisierte dann diese Ausstellung. 2005 bereitete sie im Museum der Kulturen in Basel die Ausstellung ‚Indische Gottheiten. Die Schenkung Eggmann’ vor. Seit 2006 absolviert sie eine Grundausbildung bei der Medizinischen Gesellschaft für Qigong Yangsheng e. V. und promoviert im Fach Indologie zum Thema ‚Indische Giftheilkunde’. Seit 2008 ist sie als Volontärin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Südasien-Abteilung im Linden-Museum Stuttgart beschäftigt und betreute als Kuratorin die Ausstellungen ‚Die Spur der Tränen – Ein Märchen aus Indien’. ‚Indiens Tibet – Tibets Indien’ und ‚Weltsichten – Blick über den Tellerand’.

Albrecht Frenz

Albrecht Frenz wuchs auf einem Bauerhof in Hohenlohe auf, wurde Landwirt und holte das Abitur nach. Danach studierte er in Göttingen, Marburg und Hamburg Indologie, Klassische Archäologie, Religionswissenschaft und Evangelische Theologie. Mit einer Dissertation im vedischen Sanskrit promovierte er an der Universität Marburg und schloss das Theologie-Studium mit dem Universitätsexamen an der Universität Hamburg sowie dem landeskirchlichen Examen in Stuttgart ab. 1969 wurde er Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, unterrichtete 1974-77 an der Kamaraj University Madurai und am Tamilnadu Theological Seminary in Madurai, Südindien. Ab 1980 widmete er sich dem Leben und Werk von Dr. Hermann Gundert – Großvater von Hermann Hesse – und veröffentlichte dazu zusammen mit Dr. Scaria Zacharia, Professor für Malayalam in Kerala, verschiedene Bände in Deutschland und Kerala. Über dreißig Jahre reiste er regelmäßig – vor allem zu Vorträgen, Konferenzen und Seminaren – nach Südindien. Seit seiner Pensionierung im Jahr 2000 widmet er sich religions- und gesellschaftsübergreifenden Themen zwischen Indien und Deutschland und veröffentlichte mehrere Bücher. Im Jahr 2006 erhielt er den Rabindranath Tagore Kulturpreis der Deutsch-Indischen Gesellschaft. Zum 200. Geburtstag von Herrmann Mögling, Studienfreund und Kollege Gunderts in Südindien, organisierte er vom 27. Mai bis 3. Juni 2011 die Mögling-Festwoche mit Veranstaltungen in Brackenheim, Stuttgart, Esslingen, Tübingen und Untergruppenbach.

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